Rezension: The Cage – Entführ von Megan Shepherd

thecage

The Cage von Megan Shepherd
erschienen im Heynefliegt Verlag
broschiert, 464 Seiten

Die Handlung

In dem einen Moment sitzt die 16jährige Cora noch zusammen mit ihrem Bruder im Auto auf dem Weg zu ihren Eltern – im nächsten Moment wacht sie in einer mysteriösen Wüste auf. Für Cora gibt es nur eine Erklärung: sie wurde entführt. Ihre neue Umgebung stellt sich als höchst merkwürdig heraus, denn direkt neben der Wüste befindet sich ein Wald, eine kleine Mini-Stadt, ein Meer und weitere Landschaften.  Cora findet schnell heraus, dass sie in einer Art Riesen-Käfig festgehalten wird.

Und Cora ist nicht allein – mit ihr zusammen wurden vier weitere Jugendliche – ein Mädchen und drei Jungs – entführt. Keiner kann sich erklären, wer dahinter steckt, bis ein junger, hübscher Mann namens Cassian auftaucht, den Cora aus einem Traum zu kennen scheint.

Meine Meinung

Ich muss sagen, ich bin ein bisschen zwiegespalten. Als erstes möchte ich gerne loswerden, dass ich irgendwie etwas komplett anderes erwartet habe. Ich habe nicht allzu viele Rezensionen hierzu gelesen, aber die Thematik, die in diesem Buch steckt, habe ich aus keiner herauslesen können und die möchte auch ich euch nicht verraten, da es durchaus einen kleinen Überraschungsmoment darstellt. So viel vorab: Das, was sich relativ schnell ergibt, ist es dann auch ;) Vielleicht hilft es euch dabei, euch besser auf die Geschichte einzulassen.

Gleichzeitig hat das bei mir dazu geführt, dass ich fest damit gerechnet habe, dass die Thematik nur vorgespielt ist und am Ende jemand sagt: „Überraschung! Das war alles nur vorgetäuscht – eigentlich ist alles hier ganz real„.

Das hat – denke ich – meine Meinung über das Buch allerdings nicht wirklich beeinflusst.  Wie gesagt, ich möchte euch nicht verraten, worum es in diesem Buch geht, da man am Anfang genauso ahnungslos ist wie Cora und das ist auch gut so, da dies sehr zur Stimmung des Buches beiträgt.

Die Thematik an sich finde ich unglaublich spannend. Sie enthält meiner Meinung nach sehr viel Potential, das allerdings nicht so richtig seitens der Autorin ausgeschöpft wurde. Die Idee ist, wie gesagt, klasse, die verschiedenen Personengruppe, die auftreten, ebenfalls. Das World-Building an sich ist damit gut gelungen.  Aber irgendwie ist mir die Systematik im Großen und Ganzen nicht ganz klar geworden: Wo genau befinden wir uns jetzt? Was für verschiedene Personengruppen gibt es? Was ist der allgemeine Sinn dahinter?

Mir war nicht wirklich klar, wie ich das ganze Setting zu verstehen habe. Vielleicht folgen in den nächsten Büchern noch ein paar weitere Erklärungen – insbesondere zu Hierachien, verschiedenen Lebensgewohnheiten, etc. In diesem Teil war mir das irgendwie zu wenig und gleichzeitig zu viel Neues, das auf einen hereingeprasselt ist, ohne eine entsprechende Erklärung zu liefern.

Ein weiterer großer – vielleicht auch der größte – Kritikpunkt waren die Charaktere. Wir beginnen mit Cora, die auch im gesamten Buch unsere Hauptperson bleibt. Cora ist so, wie wir uns eine Romanheldin vorstellen. Voller Tatendrang, ein Hang zur Selbstaufopferung usw. Ihr kennt das ja. Für mich war sie nichts Besonderes. Gleichzeitig gibt es aber immer wieder Kapitel aus der Sicht von weiteren Personen: der nette Lucky, der Nerd Rolf, das asiatische Model Nok und der Kleinkriminelle Leon. Die Charaktere – Cora eingenommen – sind alle nicht wirklich sympathisch. Zwar wird Lucky z.B. sehr darauf getrimmt, für den Leser sympathisch zu wirken – das ging bei mir aber eher nach hinten los.

Mit unsympathischen Personen an sich kann ich zwar durchaus leben, allerdings waren auch die Handlungen und Denkweisen der Personen sehr merkwürdig bis teilweise wirklich gar nicht nachvollziehbar. Die fünf Jugendliche haben sich in einer Art und Weise verhalten, die angesichts der Situation, in der sie stecken, so unglaubwürdig war, dass ich oft gedanklich den Kopf geschüttelt habe. Auch hatte ich ab und zu das Gefühl, hier handeln keine sechzehn- bis achtzehnjährige Personen, sondern eher Zwölfjährige, was in manchen Situationen sehr merkwürdig wurde.

Ein Charakter dagegen ist sehr interessant geblieben und auf seine weitere Entwicklung freue ich mich schon sehr: Cassian. Man erfährt nicht sehr viel über seine Beweggründe. Er bleibt damit für den Leser ein großes Mysterium über den man aber gleichzeitig viel viel mehr wissen möchte.

Auch muss ich der Geschichte zugute halten, dass der Schreibstil sehr flüssig und angenehm ist. Das Buch enthält viele Spannungen, überraschende Wendungen und regt immer wieder zum Weiterlesen an. Ein Pageturner war es für mich zwar nicht, aber unnötige Längen findet man hier glücklicherweise nicht.

Insgesamt hat mir das Buch ganz gut gefallen. Es gehört nicht zu den Büchern, die ich ausnahmslos sofort weiter empfehlen würde – aber der richtigen Zielgruppe wird es sicherlich sehr gut gefallen. Ich werde die Reihe auch weiterverfolgen – hauptsächlich wegen Cassian.

Meine Bewertung

35sterne

3,5 von 5 Sterne

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