Rezension: Das dunkle Herz des Waldes von Naomi Novik

Das dunkle Herz des Waldes – Naomi Novik
Hardcover, 576 Seiten
erschienen im cbj Verlag

Vielen Dank an das Bloggerportal für das Rezensionsexemplar!

Die Handlung

Agnieszka lebt in einem ruhigen Dorf, dass direkt neben einem dunklen Wald liegt. Von diesem Wald geht eine Gefahr aus, denn der Wald ist böse und versucht immer wieder, die Menschen, die um ihn herum leben zu töten und ihre Herzen zu vergiften, um sich weiter auszubreiten.

Zum Schutz der umliegenden Dörfer lebt ein Zauberer, den alle nur den „Drachen“ nennen, in einem alten Turm am Wald. Alle zehn Jahre holt er eines der Mädchen aus den umliegenden Dörfern zu sich und behält sie dort. Agnieszka weiß, dass er dieses Mal ihre beste Freundin Kasia zu sich holen wird, denn Kasia ist anmutig, schön, charmant, gelehrt und begabt. Am Tag der Wahl wählt der Drache jedoch nicht Kasia, sondern Agnieszka. Agnieszka muss den Drachen in seinen Turm begleiten und findet dort schnell heraus, dass auch sie magische Kräfte besitzt.

Diese sind auch bitter notwendig, denn abermals holt der Wald zu einem neuen Schlag aus und versucht dieses Mal, das komplette Land, in dem Agnieszka lebt, für sich zu vereinnahmen. Und so muss Agnieszka ihre Kräfte bündeln, Intrigen des Waldes erkennen und versuchen, ihn zu vernichten.

Meine Meinung

Ich muss zugeben, dass ich zunächst dachte, dass es sich bei der Geschichte um eine handelt, die sich komplett nur um Agnieszka und den Drachen drehen wird. Denn allein vom Klappentext erfährt man fast gar nichts über das eigentliche Geschehen des Buches. Die Wahl – und damit der komplette Inhalt des Klappentextes – passieren bereits auf den ersten 30 Seiten.

Umso überraschter war ich dann, als ich gemerkt habe, dass es hier um etwas ganz anderes geht. Der Wald – der sonst in Fantasy-Büchern oft eine sehr positive und ruhige Kraft ist – ist hier auf einmal wütend, grausam, unheimlich und gefährlich. Einige Male begleiten wir Agnieszka auf ihren Wegen durch den Wald und jedes Mal passieren grausame Dinge, die die Autorin auf schonungslose Art und Weise beschreibt und darstellt. Das Buch ist damit an einigen Stellen nichts für schwache Nerven – was aber gleichzeitig für mich persönlich sehr positiv war. An einigen Stellen war das Buch übrigens so unglaublich unheimlich, dass es einen richtig gefesselt hat.

Was mich sehr beeindruckt hat, war die Tatsache, dass es eben anders als der erste Eindruck es vermitteln mag, nicht nur um die Beziehung zwischen Agnieszka und den Drachen geht.  Kasia zum Beispiel, eine Person, die in vielen anderen Büchern dieser Art sicherlich nur eine nette Begleitperson abgegeben hätte für den Anfang und dann nicht mehr erwähnt worden wäre, nimmt eine große Rolle in diesem Buch ein und die Freundschaft zwischen den Mädchen hört keinesfalls nach der Wahl auf. Kasia wird zu einem unglaublich interessanten Charakter, den man fast noch mehr mag als unsere Hauptprotagonistin. Ich hätte sogar gerne noch mehr von ihr erfahren, aber auch so reicht es aus, dass ich sagen kann, dass auch auf die weiteren Charaktere ausreichend Augenmerk gelegt wurde.

Agnieszka ist eine Person, die man ebenfalls schnell mag. Sie entspricht zwar grundsätzlich dem Bild einer typischen Hauptperson (tollpatschig, nicht allzu schön – aber auf ihre Art und Weise dann irgendwie doch, gutmütig, aufopferungsvoll) aber das ist gar nicht so schlimm. Allein die Beziehung zwischen ihr und dem Drachen, der deutlich deutlich älter ist als sie – auch wenn man es ihm nicht ansieht – fand ich anfangs etwas merkwürdig. Aber durch die Magie, die beide verbindet, haben sie letztendlich einen ähnlichen Lebensweg vor sich, sodass ich da schnell drüber hinweg gekommen bin.

Die Magie in diesem Buch ist unheimlich interessant und komplex gestaltet. Sie funktioniert mit Sprache und Gesang und ich musste anfangs ordentlich aufpassen, um genau mitzubekommen, was Agnieszka zum Beispiel nun anders macht, als der Drache. Die Magie führt aber zu wundervollen und auch sehr grausamen Momenten und genau das hat diesem Buch etwas Besonderes verliehen.

Häufig geht es mir so, dass ich das Finale in Büchern oft zu unspektakulär finde – hier war das nicht der Fall. Wir erleben eine Schlacht, die so ausdrucksstark beschrieben ist, dass man das Gefühl hatte, sie passiert direkt vor den eigenen Augen. Das Buch hat mich an sich gefesselt und ich musste unbedingt weiter lesen, um zu erfahren, wie es ausgehen wird.

Das Buch hat in meinen Augen alles, was ein großartiges Fantasy Buch haben muss: eine sympathische Hauptprotagonistin, interessante und umfangreiche Nebencharaktere, eine eigene Magie, einen Bösewicht, der dieses Mal in Gestalt des grauenvollen Waldes auftritt und ein grandioses Finale. Hut ab!

Ich habe bereits im Januar mein erstes Jahres-Highlight gelesen, denn ich bin überzeugt, dass es unter den Top 10 Büchern des Jahres 2017 bei mir landen wird. Eine absolute Leseempfehlung für Fantasy-Fans, dieses Buch muss man gelesen haben!

Meine Bewertung

5 von 5 Sterne

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