Rezension: Smoke von Dan Vyleta

Smoke – Dan Vyleta
Broschiert, 612 Seiten
erschienen im Carls‘ Books Verlag

Vielen Dank an das Bloggerportal für das Rezensionsexemplar!

Die Handlung

Wir befinden uns in England, Ende des 19. Jahrhunderts. Thomas, ein junger Schüler, befreundet sich auf seinem Internat mit dem charmanten, gutmütigen Charlie. Aber Thomas hat ein Geheimnis – denn in ihm steckt das Böse. Das Besondere in dieser Welt: Jeder schlechte Gedanke, jede Sünde und jede Lüge zeigt sich der Welt sofort, da derjenige, der ihn denkt, sie begeht oder tätigt, sichtbaren Rauch ausstößt. Auf dem Internat sollen die Jungen als heranwachsende Gentlemen lernen, ihren Rauch zu beherrschen und sich so von den Bauern und Armen dieser Welt absetzen, die unkontrolliert jederzeit rauchen können. Hierzu werden sie einem strengen Regime aus Lehrern und Mitschülern unterworfen und müssen große Strafen erleiden, wenn sie trotzdem rauchen.

Bei einem Ausflug in das rauchverpestete London offenbaren sich den zwei Jungen zwei merkwürdige Begebenheiten. Charlie sieht einen Menschen, der überhaupt nicht raucht, während Thomas bei einer Hinrichtung einen Menschen beobachtet, der der frisch gestorbenen Leiche Ruß vom Körper kratzt und damit verschwindet. Die Jungen begeben sich auf eine Suche nach den Gesetzen des Rauches und geraten immer mehr in die Fänge und Fragen nach Gut und Böse.

Meine Meinung

Smoke ist ein sehr düsteres Buch, das einen immer wieder darüber nachdenken lässt, was als Gut und was als Böse gilt. Wir haben zwei unheimlich interessante Charaktere, die aufeinander treffen und Freundschaft schließen. Den dunklen, düsteren Thomas auf der einen Seite, der immer wieder unkontrolliert zu rauchen beginnt und der festen Überzeugung ist, dass in ihm das Böse wohnt. Auf der anderen Seite den strahlenden, charmanten, gutmütigen und liebenswerten Charlie. Er kann sich besser beherrschen und raucht auch sehr viel seltener als Thomas.

Diese zwei Jungen treffen aufeinander und schließen eine tiefe Freundschaft, die man sofort spürt und einfach hinnimmt.

Gleich zu Beginn bekommen wir einen Eindruck davon, was es heißt, in einer solchen Welt aufzuwachsen. Ein Mitschüler, der reinste von allen, den man so gut wie nie rauchen sieht, peinigt seine anderen Mitschüler, versucht sie zum Rauchen zu bringen und ihre Sünden aufzuzeigen. Raucht ein Mensch, manifestiert sich dies durch Ruß in seiner Kleidung. Die Kleidung der Jungen auf dem Internat, die kontrolliert herausgegeben wird, wird immer wieder untersucht und bei wem sich Rußspuren finden, muss sich auf eine Bestrafung gefasst machen.

Das Buch ist in mehrere Abschnitte unterteilt und jeder Abschnitt spielt an einem anderen Ort. Wir bleiben also nicht lange im Internat, sondern machen viele Ortswechsel durch. Die Geschichte ist aus verschiedenen Perspektiven erzählt. Ab und zu sprechen mehr oder minder unbeteiligte Personen in der Ich-Form von ihren Erlebnissen. So erleben wir auch ab und zu die Sicht von Thomas oder Charlie. Das wirkt auf den ersten Blick etwas verwirrend, man merkt aber schnell, das die jeweilige Überschrift der Kapitel gleich verrät, aus welcher Sicht man nun was wo liest.

Unsere beiden Jungen machen einen Ausflug nach London, der dreckigsten und heruntergekommensten Stadt, die man sich vorstellen kann. Und hier erleben sie merkwürdige Dinge, die sie weiterforschen und weiterfragen lassen. Als beide kurz darauf zu einer entfernten Verwandten von Thomas eingeladen werden, bietet sich für sie eine weitere Möglichkeit, hinter die Geheimnisse rund um den Rauch zu kommen. Einige Dinge sind ein klein wenig vorhersehbar, sie überraschen dennoch und fügen sich gut in die Geschichte ein.

Bei der Verwandten lernen wir eine weitere wichtige Person kennen, die die Jungen von da an begleitet: Livia, die Tochter aus gutem Hause. Livia’s Ansichten bringen den Leser dazu, selbst darüber nachzudenken, ob er den Rauch nun schlecht oder gut findet. Und auch Livia selbst gerät immer wieder in einen Konflikt mit sich selbst.

Die Charakterentwicklung hat mir wahnsinnig gut gefallen. Insbesondere der Kontrast zwischen Charlie und Thomas, der innerliche Konflikt von Livia und auch eine weitere Person, die immer mehr und mehr die Rolle des Bösen einnimmt, waren glaubwürdig und überzeugend. Wir merken schnell, das verschiedene Personengruppen verschiedene Zwecke verfolgen und man weiß nicht so recht, für wen man sein soll und was man letztendlich gut findet.

Gegen Ende wurde es wirklich spannend, wobei ich kurz vor Ende auch die Motive von bestimmten Personen ein wenig hinterfragt habe. Mir hat sich das jeweilige Motiv nicht so ganz erschlossen, sodass ich kurz geneigt war, dem Buch einen halben Stern abzuziehen.

Das Ende jedoch hat es doch wieder herausgerissen. Es war kein gutes Ende, aber auch kein schlechtes. Es war auf keinen Fall ein 0815-Ende und genau das hat mir imponiert. Ein anderes Ende hätte das Buch schnell zu einer Standard-Erzählung machen können. So aber war es einfach nur grandios, überraschend und absolut passend.

Die Idee hinter dem Buch ist großartig, die Umsetzung gelungen! Mich hat das Buch gefesselt und begeistern können. Absolute Leseempfehlung von meiner Seite.

Meine Bewertung

5 von 5 Sterne

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