Rezension: Belgravia von Julian Fellowes

Belgravia – Julian Fellowes
Hardcover, 448 Seiten
erschienen im C Bertelsmann Verlag

Vielen Dank an das Bloggerportal für das Rezensionsexemplar!

Die Handlung

Die junge Sophia Trenchard, die Tochter von Anne und James Trenchard, hat es geschafft, eine Einladung zum Ball am Vorabend der Schlacht von Waterloo zu ergattern. Auf diesem Ball ist auch der junge Edmund Bellasis, auf den Sophia schon länger ein Auge geworfen hat. Die Nacht verläuft jedoch anders als geplant. Edmund stirbt in der Schlacht von Waterloo und auch Sophia stirbt einige Monate später.

Die eigentliche Handlung der Geschichte setzt 25 Jahre später ein. Sophias Mutter, Anne, hütet bis heute ein wohl behütetes Geheimnis. Und auch Edmunds Mutter quält sich mit dem Gedanken, dass sie, wenn sie stirbt, nichts hinterlassen wird – denn Edmund war ihr einziges Kind.

Beide Damen treffen aufeinander und aus dem Geheimnis wird ein gemeinsames Ziel, das den jungen Charles Pope betrifft: ein junger und engangierter Unternehmer, der mit eigenen Hoffnungen und Wünschen in die Londoner Gesellschaft eintritt und da für große Veränderungen sorgen wird. Und nicht alle in seinem Umfeld sind ihm wohlgesonnen..

Meine Meinung

Ich habe mich wahnsinnig auf dieses Buch gefreut, da ich den Autoren aus einer meiner Lieblingsserien – Downton Abbey – kenne. Ich hatte mir eine Geschichte erhofft, die mich ein wenig an Downton Abbey erinnert und mir etwas in dieser Richtung gibt. Und ich wurde glücklicherweise nicht enttäuscht.
Julian Fellowes hat eine wunderbare Geschichte geschaffen, bei der man mitfiebert und mitleidet. Die Charaktere sind ähnlich wie in Downton Abbey nicht nur Personen der oberen Gesellschaftsschicht – wir begegnen so u.a. auch einer verbitterten Zofe, die sich etwas dazu verdienen möchte oder einem geldgierigen Butler. Die Charaktere waren fast alle gut in die Kategorien „schwarz“ und „weiß“ bzw. „gut“ und „böse“ einzuteilen, was ich ein wenig schade fand, mich aber gleichzeitig auch nicht wirklich gestört hat. Man fand die richtigen Personen sofort sympathisch, und die anderen mochte man auf Anhieb nicht. Das lag natürlich an der etwas einseitigen Sicht- und Erzählweise des Autors, was mich aber – wie gesagt – nicht gestört hat.
Eine Person fand ich persönlich besonders interessant, da sie die Einzige war, die eigentlich den „Bösen“ angehört, dennoch aber einige Sachen gemacht hat, die die Geschichte in eine völlig andere Richtung gebracht haben. Wer genau das war, möchte ich natürlich nicht verraten, ich denke aber, die meisten, die dieses Buch gelesen haben, wissen wohl von wem ich spreche. Bis zum Schluss bin ich mir noch sehr unsicher, ob ich diese Person nun mag oder nicht – und das bewerte ich durchaus positiv.
Die Charaktere waren demnach nicht unbedingt allzu vielseitig, das mussten sie aber in dem Buch auch nicht sein. Denn das Buch ist mit seinen 450 Seiten relativ kurz und wird durch die Geschichte gut ausgefüllt, auch ohne dass die meisten Personen große Verwandlungen oder innere Konflikte durchleben müssen. Der Anfangsteil ist etwas lang geraten, des dauert ca 100 Seiten, bis es endlich so richtig losgeht, danach nimmt die Geschichte aber absolut an Schwung auf.
Der Schreibstil von Julian Fellowes ist unheimlich flüssig. Die Seiten sind bei mir nur so dahingeflogen. Das Buch lässt sich damit sehr leicht, flüssig und schnell durchlesen.
Ein weitere absolut positiver Punkt ist das wundervolle Cover, das zwar mit der Geschichte an sich nichts zu tun hat, aber dem Buch einen ganz tollen Flair gibt. Ich freue mich sehr, dass das Buch jetzt so bei mir im Bücherregal stehen kann, denn es macht eindeutig etwas her.
Die Geschichte war von der Grundidee toll: Zwei Großmütter, die ein gemeinsames Geheimnis haben, der Wunsch, einer bestimmten Person ein gutes Leben zu ermöglichen und all die gesellschaftlichen Folgen, die eine Enthüllung haben würde. Auch wenn beide Frauen nicht unbedingt am gleichen Strang ziehen, ziehen sie zumindest nicht am gegenteiligen Ende. Dafür gibt es genug Gegenspieler aus verschiedenen Lagern, die anfangs ähnlich ahnungslos sind, wie der Leser und versuchen, unseren „guten“ Personen so viele Steine wie möglich in den Weg zu legen.
Der Leser selbst merkt jedoch schnell, was Sache ist. Nach gut 50 Seiten habe ich mir schon ausmalen können, wie die Geschichte wohl enden wird. Das war dann tatsächlich so auch der Fall, sodass es einen kleinen Minuspunkt hierfür gibt. Die Geschichte war sehr vorhersehbar und hielt kaum Überraschungen für den Leser bereit, das habe ich persönlich aber hier auch gar nicht erwartet.
Wer also eine Geschichte mit plötzlichen Wendungen, Schock-Momenten und Überraschungen sucht, der ist hier eher falsch. Für alle anderen, die Fan von solchen Geschichten sind, ist das Buch genau das richtige.
Mir hat das Buch absolut gefallen und es war glücklicherweise genau das, was ich erwartet habe. Das Buch ist übrigens meiner Meinung nach auch für Leute, die gerne mal in die Richtung historische Bücher reinschnuppern möchten, sehr gut geeignet: die historischen Fakten werden nur nebenbei erwähnt, die Geschichte liest sich toll und an Drama fehlt es dem Buch auch nicht.
Von mir also eine klare Leseempfehlung!

Meine Bewertung

4 von 4 Sternen